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Brockenbahn

Ruhig schnauft die alte Dampflokomotive vor sich hin, während sie in den frühmorgendlichen Stunden auf ihren Einsatz vorbereitet wird: Ganz scheint es, als würde hier etwas zum Leben erwachen. Das Ritual zu Dienstbeginn ist dabei alles andere als eine Nebensache. Die aufwändige Mechanik will gewissenhaft gepflegt werden, nur dann ist ein – buchstäblich – reibungsloser Betrieb sichergestellt.


Zimperlich darf dabei nicht sein, wer hier als Lokführer oder Heizer fährt. Obwohl die Lokomotiven schon vor Jahren wieder von der Öl- auf die Kohlefeuerung zurückgerüstet wurden, ist es wie auf allen Dampflokomotiven heiß, laut, schmierig und eine rundum harte, körperliche Arbeit.
Doch im Gegensatz zur modernen Eisenbahn ist die Arbeit hier noch echtes Handwerk, und dies ist schließlich Teil der Faszination, die Woche für Woche unzählige Touristen und Eisenbahnverrückte hierher lockt.


Beinahe jedoch wäre es nicht dazu gekommen. Der Brocken, höchster Gipfel des Harz und zugleich Norddeutschlands, war zu DDR-Zeiten militärisches Sperrgebiet, von dem aus gleich zwei Geheimdienste mit riesigen Abhörstationen dem damaligen Klassenfeind im Westen lauschten. Die Region war spätestens zu Beginn der 60er wegen seiner Grenznähe nur mit Passierschein zu erreichen und daher Parteikadern und anderen als „zuverlässig“ eingestuften Besuchern vorbehalten. Die Bahn diente in dieser Zeit nur noch zum Gütertransport für die Versorgung der militärischen Anlagen, und auch dieser wurde 1987 schließlich eingestellt.


Nach der Wende war das weitere Schicksal der Brockenbahn ungewiss. Vereinte Anstrengungen von Bürgern und Politik ermöglichten jedoch schließlich die Sanierung der Anlagen und die Wiederaufnahme des Betriebes. Heute wird die Strecke wieder täglich und fast ausschließlich mit Dampflokomotiven bedient.

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